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Frollein Herr

How-To: Pickel selbst ausdrücken

Es liegt in der menschlichen Natur Dinge zu tun, die wir hinterher bereuen.

Sei es das vierte Glas Wein unter der Woche, die drölfste schwarze Tasche oder diese fiese bunte Süßigkeit hinten im Küchenschrank, die man eigentlich nie essen wollte, aber eines Abends dann doch killt – und feststellt, dass sie überhaupt nicht geschmeckt hat. Ich könnte unzählige weitere Beispiele anbringen – das würde wohl allerdings den Rahmen sprengen. Eines, das hier aber ganz oben steht, kennen wir alle: Mitten im Gesicht sprießt ein Pickel, den wir da ganz und gar nicht gebrauchen können und obwohl wir wissen, dass er in ein paar Tagen von selbst verschwinden wird, können wir es ums Verrecken nicht lassen, daran herumzuwerkeln und machen es damit in 90 Prozent der Fälle nur noch VIEL schlimmer.

Und so wird aus dieser kleinen Unreinheit, die man mit ein wenig Concealer noch gut hätte verstecken können, eine ausgewachsene Entzündung und es bleibt uns nichts anderes übrig, als für ein paar Tage mit einem Horn im Gesicht durch die Welt gehen. Und wer ist schuld? WIR GANZ ALLEINE! Denn wie uns wahrscheinlich schon unsere Mutter sagte, oder unsere Schwester, die Kosmetikerin und jedes Magazin dieser Erde:

An Pickeln sollst du nicht herumdrücken!

Das wissen wir alle – und wir tun es trotzdem. Auch ich habe schon in unzähligen Artikeln dazu geraten, die Finger von Unreinheiten & Co. zu lassen und lieber regelmäßig zur medizinischen Ausreinigung zu gehen. Der Ehrlichkeit halber muss aber auch ich gestehen, dass ich mich selbst nicht immer an meinen Rat halte. Auch wenn ich darin schon viiiiiel konsequenter geworden bin, als noch vor ein paar Jahren. Trotzdem kann ich manchmal einfach nicht anders und betätige mich dann mit unbändiger Leidenschaft an einer verstopften Pore, bis alles zu spät ist. Manchmal geht das gut – meistens aber leider nicht.

Deshalb möchte ich heute meinem (und Eurem) Leid ein für alle mal ein Ende setzen und habe es glücklicherweise geschafft, eine Expertin davon zu überzeugen, dass an dieser Stelle Intervention erforderlich ist – auch wenn gerade Fachleute NIEMALS zur Eigenbehandlung raten würden. Nathalie Plattl aber ist nicht nur eine SEHR fähige dermatologische Kosmetikerin, in deren Hände ich mich regelmäßig begebe, sondern auch jemand, der seine Kunden tatsächlich versteht. Und deshalb hat sie sich lieberweise bereit erklärt, ihr Wissen mit uns zu teilen und mir all meine Fragen rund um das Thema “Pickel selbst ausdrücken” zu beantworten.

Pickel selbst ausdrücken: So gehts richtig!

Frollein Herr: Wieso sollte der Laie zuhause eigentlich nicht selbst Hand anlegen?

Nathalie Plattl: “Das Problem beim falschen Drücken ist, dass Narben oder dunkle Flecken entstehen können oder im Fall einer entzündlichen Akne, Zellwände platzen und es in der Haut zu Schmierinfektionen kommen kann. Das Ergebnis: Es entstehen weitere, neue Pickel im Umkreis.”

F.H.: Wenn wir es dann doch tun (und wir wissen alle, dass wir es tun), was gibt es zu beachten?

N.P.: “Na klar – die meisten drücken selber herum. Deshalb ist es so wichtig, auf die Hygiene zu achten. Die Haut sollte vorab gut desinfiziert werden, sprich: Entweder ein enzymatisches Peeling oder ein Peeling mit Körnchen verwenden oder die Haut durch Wärme schön einweichen. Die Peelings können aber auch gerne mit dem Einweichen verbunden werden. Das funktioniert z.B. super, wenn man ein Peeling aufträgt und dann ein Dampfbad fürs Gesicht macht (Schüssel mit heißem Wasser, Handtuch über den Kopf und Gesicht über den warmen Wasserdampf halten).

Nach dem Peeling sollte die Haut dann mit einem alkoholfreien Desinfektionsmittel (in der Apotheke erhältlich) desinfiziert werden. Danach mit einer sterilen (!) Nadel (Blutlanzette) vorsichtig in den Pickel stechen und mit dem mit Kleenex umwickelten Fingern vorsichtig ausdrücken bzw. raushebeln. Danach wieder desinfizieren gegebenfalls mit einem alkoholhaltigen Tonic.”

F.H.: Es gibt Pickel bei denen kann man selbst schnell viel erreichen und es gibt welche, bei denen man sich hinterher wünscht, es einfach gelassen zu haben. Woran kann man erkennen, dass ein Pickel „reif“ ist?

N.P.: “Grundsätzlich sollten nur „reife“ Pickel ausgedrückt werden. Das sind die die eine weiß/gelbe Wölbung oder Spitze haben oder weiche Mitesser, die man vorsichtig rausschieben kann. Wenn eine Stelle weh tut und nur rot ist, einfach Finger weg! Selbst wenn diese eine helle Stelle in der Tiefe haben, ist das oft nur Lymphflüssigkeit und kein Eiter oder Talg. Wenn man da dann herumdrückt, wird es nur schlimmer.”

F.H.: Stichwort Verschlimmbesserung: Ich habe herumgedrückt und statt abzuheilen, hat sich das Ungetüm entzündet. Was kann ich jetzt tun, um den Schaden zu begrenzen?

N.P.: “Wenn sich die Stelle entzündet hat und man den Eiter sieht, dann die Entzündung rausdrücken. Wenn es kein Eiter gibt, bitte nicht mehr weiter machen! Bei offenen Stellen hilft Aloe Vera oder eine Heilsalbe.”

F.H.: Gibt es Tools oder Hausmittel, die bei dieser Laien-Aktion hilfreich sein könnten?

N.P.: “Generell gibt es zwei Arten an einen Pickel ranzukommen. Das füttern oder unterdrücken bzw. austrocknen. Beim „füttern“ ist gemeint, dass man den Pickel an die Oberfläche bekommt, um ihn dann ausdrücken zu können. Das kann man machen, indem man immer mal wieder eine zu reichhaltige Creme oder eine Zugsalbe auf einen unterirdischen Pickel gibt. Jedoch empfehle ich das eher bei den Pickeln, bei denen man spürt, dass er sowieso an die Oberfläche kommt und man diesen Vorgang so lediglich beschleunigt. Bei den anderen Pickeln die mehr „wässrig“ sind, ist es besser diese austrocknen zu lassen. Das einfachste Hausmittel ist Zahnpasta, mein persönlicher Favorit ist aber Heilerde. Die gibt es für 3-4 Euro in jedem Drogeriemarkt oder auch in der Apotheke. Das Pulver mischt man mit ein bisschen Wasser an und kann es dann auf einzelne Stellen oder auch mal im ganzen Gesicht als Maske auftragen.”

F.H.: Wir kennen sie alle: Die unterirdischen Pickel, die mehr Horn sind, als alles andere. An denen sollte man aber nun wirklich nicht rumwerkeln, oder?

N.P.: “Bitte nicht! Wenn man einfach nur eine Wölbung spürt, die oft auch wehtut und man schon weiß, dass man nicht rankommt, einfach Hände weg! Die Gefahr, dass hier eine Narbe oder ein brauner Fleck entsteht ist sehr groß! Generell sollte man die Haut auch nie quetschen. Wenn man einen Pickel hat, sollte der immer eher von unten nach oben “gehebelt” werden und nicht von rechts nach links gequetscht werden.

Noch ein ganz wichtiger Tipp: Hat man einen Pickel ausgedrückt, der inzwischen eine Kruste gebildet hat: NIEMALS die Kruste abkratzen. Sonst entstehen dunkle Flecken, die sogenannten Pickelnarben. Auch wenn man ungeduldig ist, sollte man unbedingt warten, bis die Kruste von selbst abfällt. Gerade dann, wenn man man schon über 25 ist. Das ist kein Scherz – die Haut vergisst da nichts mehr und verheilt einfach nicht mehr so gut. Das sehe ich bei mir selbst! Und: Anschließend unbedingt einen Sonnenschutz auftragen. Idealerweise natürlich Öl frei und 50+.”

Fazit

Sorry, falls die Worte Eiter, Kruste oder Lymphflüssigkeit für den ein oder anderen am frühen Morgen ein wenig viel waren – aber statt um den heißen Brei herumzureden, ist mir Tacheles sehr viel lieber. Schließlich wissen wir alle, dass wir es tun. Auch wenn wir darüber vielleicht nicht so offen reden!

Was ich in den letzten Jahren in Sachen Ausreinigung zuhause gelernt habe, ist: Die Haut gut beobachten und unterscheiden lernen, bei welchen Unreinheiten man aktiv wird und bei welchen besser nicht. Wie Nathalie schon gesagt hat: Bei tiefliegenden Unreinheiten einfach mal Geduld aufbringen. Sieht man den Bösewicht allerdings schon an die Oberfläche kriechen, kann man ihn sanft (!) herausbefördern. Absolute No-Gos sind und bleiben ungewaschene Hände, das Skippen der Desinfektion oder unsterile Hilfsmittel. Wenn man schon einen auf Kosmetikerin macht, sollte man sich wenigstens an die Grundregeln halten.

Also – Wie eingangs schon gesagt: Lasst es am besten einfach bleiben. Aber wenn Ihr schon drücken müsst, hoffe ich, dass dieser Artikel Euch eine hilfreiche Anleitung bieten konnte!

Comments

  • 14. Mai 2020
    reply
    Sarah Funk

    Ich habe jetzt so ein schlechtes Gewissen beim Lesen dieses Beitrags.. ??

  • 14. Mai 2020
    reply
    Sarah

    Und was tue ich nun gegen dunkle Flecken, die ich mir bereits selbst ins Gesicht gezaubert habe? 🙁

      • 14. Mai 2020
        reply
        ulrike

        Was für ein klasse Beitrag! Ich finde mich wieder und direkt ertappt ?…ohje.
        Lieben Dank für die Ausführungen, ich hab gegrinst. Finger davon lassen geht echt nicht ….oder eben nur äußerst schwer. Lieben Dank!

  • 14. Mai 2020
    reply
    Franzi

    was für ein guter Blogpost..hoffentlich erinner ich mich daran wenn mir mal wieder ein Horn irgendwo im Gesicht wächst..??

  • 14. Mai 2020
    reply

    Super Beitrag ! Schick ich sofort meiner älteren Tochter ! Hat mit 26 plötzlich wieder so eine unreine Haut und das Gequetsche macht‘s nicht besser?
    Profi Tipps ?Sehr gut ?

  • 15. Mai 2020
    reply
    Kathrin

    Danke für diesen Artikel und das Interview.Leider bin ich erst vor Kurzem auf deinen genialen und überaus informativen und erfrischenden Blog gestoßen!
    Danke für die Inspirationen und Denkanstöße und professionellen Beautytipps.
    Ich bin schon 41 Jahre und habe leider immer wieder mit richtig tiefsitzenden ,fiesen Pusteln am Kinn zu kämpfen.Mittlerweile habe ich es wieder einmal (das kann leider sehr schnell kippen) gut in den Griff bekommen ,aber wie gesagt…ich kann ein Lied davon singen. Dunkle
    Pickelmale als Überbleibsel inklusive…sehr gut lassen sie sich mit VitaminC -Seren aufhellen…das dauert aber oft bis zu 4 oder 5 Monaten.
    Ein gutes Mittel ,das für ganz gemeine,schmerzhafte Pickel- zumindest bei mir- hilft: Glycolsäure 15 AHA von Neostr….(ich weiß nicht,ob ich hier Werbung machen darf?)
    Herzliche Grüße und bitte bitte noch MINDESTENS so viele Jahre,wie alt ich bin,weitererzählen…von den schönen erfüllenden und bewegenden Momenten des Lebens ??

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