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Frollein Herr

Flohmarkt-Guide

Oh auf diesen Artikel habe ich Euch lang warten lassen (Schande über mein Haupt), aber jetzt ist er da!

Seit inzwischen fast acht Jahren bin ich regelmäßig auf Münchens Flohmärkten unterwegs – immer mit dem Ziel, die besten Teile als Erste zu finden. Das können Designerschätze sein, authentische Vintage-Funde mit Geschichte oder Interior-Pieces, die sonst niemand hat. Keine Shoppingtour ist für mich so befriedigend, wie die Jagd nach Einzelstücken, Schnäppchen und Charakterteilen. Schon wenn ich den Muff alter Kleider rieche, eine der unterkühlten Hallen betrete oder mich in aller Herrgottsfrühe mit den Menschenmassen durch den Olympiapark schiebe, geht mir das Herz auf. Ich liebe Flohmärkte!

Hier habe ich die schönsten Stücke zu Granaten-Preisen gefunden: Von den goldenen Chanel-Ballerinas, die komplett ungetragen waren, über Muschel-Deko für mein Zuhause, die alle Neuinterpretationen des Interior-Trends bei Weitem übertreffen, bis zu Goldschmuck, der noch in einer Qualität gefertigt wurde, für die ich heute den Umsatz eines Monats auf den Kopf hauen müsste. Und da Ihr mich regelmäßig nach Locations, Tipps, Tricks und meinen persönlichen Erfahrungen fragt, habe ich Euch heute alle Insights zusammengetragen, die meine Schnäppchenjagd so erfolgreich machen!

Flohmarkt: Wo shoppt man am besten?

Fangen wir erstmal mit dem Wo an. Da sich meine Flohmarkterfahrung ausschließlich auf München beschränkt, hier aber auch eine großartige Flohmarktkultur herrscht, kann ich Euch auch tatsächlich nur München-Tipps bieten. Ich bin mir aber sicher, dass es auch in anderen Städten ganz ähnliche Anbieter gibt, bei denen Ihr Infos für Eure Gegend findet!

Hofflohmärkte

In München gibt es regelmäßig Hofflohmärkte, die nach Stadtteilen und Vierteln aufgeteilt sind und bei denen ganz normale Anwohner ihr Zeug verkaufen. Hier gibt es natürlich sehr viel Schrott, den die Leute einfach loswerden wollen, aber auch die besten Schnäppchen. Mein Tipp: Unbedingt in Vierteln schauen, wo die höchsten Mieten gezahlt werden. Klingt doof, ist aber unheimlich logisch. Dort, wo die Leute am meisten Geld haben, wird auch Hochwertiges weiterverkauft (das gilt übrigens auch für Second-Hand-Shops). In München wären das Schwabing, die Maxvorstadt oder das Glockenbach-Viertel – hier sind die besten Schnäppchen zu machen. Und: Früh dran sein! Auch wenn das wirklich für alle Flohmärkte gilt, so hat man besonders bei den Hofflohmärkten einfach noch die beste Auswahl.

Nachtflohmarkt

Am häufigsten bin ich auf einem der zahlreichen Nachtflohmärkte anzutreffen. Schlicht und einfach deshalb, weil es deutlich angenehmer ist, nicht um 5 Uhr früh, sondern um 5 Uhr abends nach Schnäppchen zu suchen. Dort kaufe und verkaufe ich mehrmals im Jahr und bin damit immer mit zwei Anbietern besonders gut gefahren: Midnight Bazaar und Mädelsflohmarkt. Die bieten eine super Infrastruktur mit Musik, Essen, Toilette und allem, was man für eine ausgedehnte Shoppingtour braucht. Verkauft werden kann hier alles von Nippes bis Designermode, aber es gibt auch regelmäßig reine Mode-Flohmärkte. Die Daten und Events werden regelmäßig auf der Website veröffentlicht, sodass man sowohl als Käufer, als auch als Verkäufer perfekt planen kann.

Riesenflohmarkt

Die Veranstalter von Midnight Bazaar machen einmal im Jahr den Riesenflohmarkt (findet meist im Januar statt), bei dem ich auch vergangenen Monat verkauft habe. Was daran so besonders ist? Die schiere Größe, längere Verkaufszeiten und die Werbemaßnahmen. Am Tag nach dem letzten Riesenflohmarkt berichtete eine Münchner Lokalzeitung über eine Kilometerlange Schlange an Kaufwütigen und das kann ich nur bestätigen. Ich selbst war nach wenigen Stunden, bis auf ein paar wenige Stücke, komplett ausverkauft. Auch hier gilt: Früh sein lohnt sich! Bei einem derartigen Ansturm fängt der frühe Vogel den Wurm.

Einmal im Jahr (meist im April) findet auf Münchens Theresienwiese der wohl größte Flohmarkt der Stadt statt. Hier wird Tage vorher schon gecampt und bei Dunkelheit nach Schnäppchen gesucht. Ich war selbst leider immer zu spät dran (am Nachmittag braucht man da nicht mehr hin), weiß aber von vielen Freunden, dass man hier wirklich großartige Funde machen kann. Von Vitra-Stühlen, bis zu Antikwaren oder Designermode (die unter anderem von den vielen in München ansässigen Mode-Redakteurinnen verkauft wird) ist hier alles dabei. Also: Am besten die Nacht durchmachen und viele Tüten mitbringen.

Vinokilo

Mehrmals jährlich kommt Vinokilo, auch offline nach München und hat von günstig bis teuer alles dabei. Für 3 € Eintritt kann man sich hier durch Massen an Klamotten von Burberry bis Levi’s wühlen und die gefundenen Schätze dann pro Kilo kaufen. Ein Kilo kostet um die 30 € und bei leichten Stücken wie Blusen oder Blazern kann man so für wenig Geld wirklich viel mit nach Hause nehmen.

Flohmarkt: Tipps & Tricks

Kommen wir jetzt aber zu meinen persönlichen Tipps für die erfolgreiche Flohmarkt-Shoppingtour. Manche davon verstehen sich irgendwie von selbst, andere hatte man so vielleicht noch nicht auf dem Schirm oder schlichtweg vergessen. Let’s go…
  • Früh dran sein! Das habe ich jetzt schon mehrfach gesagt, aber ich sage es gerne nochmal: Wer einer der ersten ist, hat die größte Auswahl und genügend Zeit, sich durch die Auslagen zu arbeiten. Es lohnt sich allerdings auch, nach einer komplettierten Runde nochmal alles abzugehen, weil manche Schätze erst nach einiger Zeit unter einem Haufen anderer Dinge auftauchen. Also: Mehrere Runden drehen!
  • Viel Zeit mitbringen! Ich kann Euch versichern, dass Schatzsuche nicht im Schnelldurchlauf funktioniert. Woher ich das weiß? Weil ich als Verkäufer auf dem Flohmarkt oft nicht zu lang von meinem eigenen Stand weg kann und dann auf dem Weg zur Toilette noch links und rechts gucken will. Dann bin ich gehetzt, unaufmerksam und greife aufgrund des Zeitdrucks gerne mal daneben. Also: Zeit lassen, geduldig sein und nicht hetzen lassen – auch wenn es voll ist!
  • Schaut Euch die Verkäufer genau an! Diesen Tipp habe ich erst im letzten Jahr so richtig für mich entdeckt, als ich am Stand einer süßen alten Omi eigentlich schnell vorbei huschen wollte, dann aber vor lauter genialer Vintageteile doch hängen blieb. Bei älteren Verkäufern findet man nämlich meistens die echten Vintage-Schätze, die ein Leben lang überdauert haben (gute Qualität) und deren Verarbeitung und Schnitt so authentisch ist, dass alle Neuinterpretationen vor Neid erblassen. Bei jüngeren Verkäufern schaue ich übrigens immer sofort, ob Größe, Körperform und grobes Stilempfinden zu mir passen. Trägt ein Mädchen von Kopf bis Fuß Designer-Fakes, brauche ich gar nicht erst schauen. Gefällt mir der Stil der Verkäuferin, mache ich mich gerne auf die Suche. Also: Nicht nur die Waren, sondern auch die Verkäufer checken!
  • Setzt Euch ein Limit! Ich weiß, ich weiß – ist leichter gesagt als getan, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Feilschen einem den Verstand vernebeln kann. Wie oft habe ich schon mehr gezahlt, als ich eigentlich wollte, weil der Verkäufer mir ja ach so weit entgegengekommen ist. Also: Limit setzen und dabei bleiben!
  • Verhandeln ja, aber nicht übertreiben! Das sage ich Euch jetzt als Verkäuferin, denn: Wenn es um ein gut erhaltenes Teil geht, für das jemand 2 Euro möchte, muss nicht um des Handelns Willen noch 1,50 € rausgeschlagen werden. Klar, ein guter Deal gibt ein gutes Gefühl, aber nur weil es ein Flohmarkt ist, heißt es nicht, dass man den Wert der Sache nicht erkennen kann. Also: Fair bleiben!
  • Den wahren Wert erkennen! Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären: Ist ein Stück in gutem Zustand, hat keine Löcher oder stinkt nicht und ist eventuell aus hochwertigem Material wie Kaschmir oder Seide gefertigt, dann lohnt es sich durchaus auch auf einem Flohmarkt mal mehr zu zahlen. Als Verkäufer kann ich sagen, dass man natürlich am liebsten alle Teile am Ende des Tages losgeworden sein möchte, aber unverschämte Preisvorstellungen der potentiellen Käufer vermiesen nicht nur das Geschäft, sondern auch die Laune. Also: Wenn Euch ein Stück wirklich gefällt und es seinen Preis wert ist, dann kauft es. Auch wenn der Preis nicht unbedingt Flohmarkt-like ist.
  • Checkt das ganze Teil! Auch wenn es am Stand voll wird und die Hände schon mit anderen Fundstücken belegt sind – nichts ist ärgerlicher als zuhause festzustellen, dass irgendwo ein Knopf fehlt oder Flecken und Löcher zu finden sind. Unbedingt auch das Innenfutter und die Taschen checken, dann gibt es keine bösen Überraschungen. Also: Nehmt Euch die Zeit bevor Ihr kauft!

Und jetzt: Happy Schnäppchenjagd!

 

Comments

  • 27. Februar 2020
    reply

    Mega Tipps, freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Flohmarkt Besuch. 🙂

    Lisa xx

    https://liseirablog.wordpress.com

  • 27. Februar 2020
    reply
    Laura

    Ui, jetzt hast du mir richtig Lust auf einen Flohmarktbesuch gemacht! Da muss ich mir fie kommenden Wochenenden wohl mal den Wecker stellen 🙂 Vielleicht magst du ja auch deine besten Flohmarktschnäppchen zeigen – da bin ich jetzt neugierig geworden.

    • 27. Februar 2020
      reply
      Frieda

      Super Idee, die besten Schnapper würde ich auch gerne sehen Karo!

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